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Tracking & Measurement

ROAS täuscht dich: Warum du auf Gewinn (POAS) statt Umsatz optimierst

Auf einen Blick

  • ROAS misst Umsatz pro Werbe-Euro, nicht Gewinn. Ein ROAS von 500 Prozent kann profitabel sein oder ein Verlustgeschäft, je nach Marge.
  • Der Break-even-ROAS ist 1 geteilt durch deine Netto-Marge. Bei 35 Prozent Marge brauchst du mindestens einen ROAS von 286 Prozent, nur um kostendeckend zu sein.
  • POAS (Profit on Ad Spend) optimiert auf Deckungsbeitrag statt Umsatz. Bei unterschiedlichen Produktmargen ist das der ehrlichere Maßstab.
  • Profit lässt sich auf drei Wegen tracken: manuell über die Netto-Marge als Conversion-Wert, automatisch über ProfitMetrics, oder über Offline-Conversion-Import mit korrigierten Werten.

Dein ROAS liegt bei 500 Prozent. Bist du profitabel? Die ehrliche Antwort lautet: kommt drauf an. ROAS sagt dir, wie viel Umsatz ein Werbe-Euro bringt. Über deinen Gewinn sagt er kein Wort. Genau hier verlieren viele KMU-Konten Geld, obwohl das Dashboard grün aussieht.

Ich sehe das regelmäßig in Audits: Die Kampagne optimiert sauber auf einen hohen Umsatz-ROAS, und trotzdem bleibt am Monatsende weniger übrig als gedacht. Der Grund ist fast immer derselbe. Google kennt deinen Umsatz, aber nicht deine Marge.

Was ist ROAS und was misst er wirklich?

ROAS steht für Return on Ad Spend. Die Formel ist simpel:

ROAS = Umsatz aus Werbung / Werbekosten

Laut der Google Ads Hilfe ist der Conversion-Wert, auf dem ROAS basiert, standardmäßig der Bestellwert, den du beim Conversion-Tracking übergibst. Bei 5.000 Euro Umsatz aus 1.000 Euro Werbekosten ist dein ROAS 500 Prozent (oder 5,0 als Faktor).

Das Problem steckt im Wort Umsatz. ROAS rechnet mit dem, was oben in die Kasse kommt, nicht mit dem, was unten übrig bleibt. Produktkosten, Versand, Retouren, Zahlungsgebühren: all das ist im ROAS unsichtbar.

Die ROAS-Illusion: warum 500 Prozent nichts über Gewinn sagen

Zwei Shops, gleicher ROAS, völlig unterschiedliches Ergebnis:

Shop A (Schmuck)Shop B (Elektronik)
Umsatz aus Werbung5.000 €5.000 €
Werbekosten1.000 €1.000 €
ROAS500 %500 %
Netto-Marge vor Werbung60 %12 %
Deckungsbeitrag (Umsatz × Marge)3.000 €600 €
Gewinn nach Werbekosten+2.000 €−400 €

Shop A verdient. Shop B macht bei identischem ROAS Verlust. Der Umsatz-ROAS hat beiden dasselbe Erfolgssignal gegeben, und für einen davon war es falsch. Smart Bidding würde Shop B sogar weiter befeuern, weil der Algorithmus auf den Conversion-Wert optimiert, den du ihm fütterst, und das ist der Umsatz.

Break-even-ROAS berechnen: die Formel

Der Break-even-ROAS ist der Punkt, an dem dein Deckungsbeitrag exakt deine Werbekosten deckt. Die Formel ist erfreulich kurz:

Break-even-ROAS = 1 / Netto-Marge

Ein Beispiel mit 35 Prozent Marge: 1 / 0,35 = 2,86. Du brauchst also ROAS 286 Prozent, nur um plus minus null zu landen. Alles darunter ist Verlust, auch wenn ein ROAS von 280 Prozent im Dashboard ordentlich aussieht.

Je dünner die Marge, desto brutaler die Schwelle:

Netto-MargeBreak-even-ROASAb hier verdienst du
60 %167 %alles über 167 %
35 %286 %alles über 286 %
20 %500 %alles über 500 %
10 %1.000 %alles über 1.000 %

Diese eine Zahl gehört in jedes Konto, bevor du ein ROAS-Ziel festlegst. Wer mit 12 Prozent Marge ein Ziel-ROAS von 400 Prozent einstellt, hat das Verlustgeschäft im Bidding fest verdrahtet.

Was gehört alles in deine Profit-Rechnung?

Der Deckungsbeitrag ist das, was nach den variablen Kosten vom Umsatz übrig bleibt. Was da reingehört, hängt vom Geschäftsmodell ab.

E-Commerce:

  • Einkaufs- oder Herstellkosten
  • Versand und Verpackung
  • Retouren (oft der unterschätzte Kostenblock)
  • Zahlungsgebühren (z. B. PayPal, Klarna, Stripe, Kreditkarten-Disagio)
  • Umsatzsteuer (wenn der übergebene Wert brutto ist)

Dienstleister und B2B:

  • Arbeitszeit pro Auftrag
  • Material und Anfahrt
  • Nachbetreuung und Gewährleistung

Erst wenn diese Posten drin sind, redest du über Gewinn statt über Umsatz. Und genau diese Rechnung macht Google für dich nicht.

POAS statt ROAS: auf Gewinn optimieren

POAS steht für Profit on Ad Spend. Statt Umsatz pro Werbe-Euro misst POAS den Deckungsbeitrag pro Werbe-Euro:

POAS = Deckungsbeitrag / Werbekosten

Der Unterschied wird dann wichtig, wenn deine Produkte unterschiedliche Margen haben. Ein Shop mit 600 Varianten, von denen die einen 8 Prozent und die anderen 50 Prozent Marge tragen, kann über einen einheitlichen Umsatz-ROAS nicht sinnvoll gesteuert werden. Der Algorithmus schiebt dann Budget auf umsatzstarke, aber margenschwache Produkte, weil sie den ROAS hübsch aussehen lassen.

POAS dreht das um: Das Bidding lernt, welche Produkte echten Gewinn bringen, nicht nur Umsatz. Tools wie ProfitMetrics berechnen den Deckungsbeitrag pro Bestellung und geben diesen Wert als Conversion-Wert an Google zurück, statt des Brutto-Warenkorbs.

Wie du Profit statt Umsatz trackst

Es gibt drei Wege, und sie unterscheiden sich vor allem im Aufwand und in der Genauigkeit.

  1. Manuell über die Netto-Marge. Du übergibst nicht den Umsatz als Conversion-Wert, sondern Umsatz mal durchschnittliche Netto-Marge. Schnell eingerichtet, aber ungenau, sobald deine Margen je Produkt stark schwanken.
  2. Automatisch über ProfitMetrics. Der echte Deckungsbeitrag pro Bestellung fließt als Conversion-Wert zurück. Genau, aber mit Setup-Aufwand und laufenden Kosten verbunden.
  3. Offline-Conversion-Import mit korrigierten Werten. Für Lead-Geschäfte sinnvoll, bei denen der echte Wert erst nach dem Abschluss feststeht.

Damit überhaupt belastbare Werte ankommen, muss dein Tracking sauber stehen. Wenn 30 bis 40 Prozent der Conversions wegen fehlendem Consent oder Ad-Blockern gar nicht erst gemessen werden, rechnest du Profit auf einer löchrigen Basis. Wie du das stabil aufstellst, steht im Beitrag zu Server-Side Tracking, und welche Tracking-Fehler den Conversion-Wert sonst noch verfälschen, im Beitrag Warum dein Google-Ads-Tracking wahrscheinlich falsch ist.

FAQ

Was ist ein guter ROAS?

Es gibt keinen universell guten ROAS. Gut ist jeder ROAS über deinem Break-even-ROAS, und der hängt allein an deiner Netto-Marge. Bei 50 Prozent Marge ist ROAS 250 Prozent schon profitabel, bei 10 Prozent Marge bist du selbst bei 800 Prozent noch im Verlust. Deshalb ist die Frage nach dem guten ROAS ohne deine Marge nicht beantwortbar.

Wie berechne ich den Break-even-ROAS?

Teile 1 durch deine Netto-Marge. Bei 25 Prozent Marge also 1 / 0,25 = 4,0, das entspricht ROAS 400 Prozent. Erst über diesem Wert verdienst du Geld. Nimm für die Marge den Stand vor den Werbekosten, sonst rechnest du die Kosten doppelt.

Was ist der Unterschied zwischen ROAS und POAS?

ROAS misst Umsatz pro Werbe-Euro, POAS misst Deckungsbeitrag (also Gewinn vor Werbung) pro Werbe-Euro. ROAS ist einfacher, aber blind für deine Marge. POAS ist ehrlicher, braucht aber Margendaten pro Produkt. Bei einheitlichen Margen reicht oft ROAS, bei stark unterschiedlichen Margen führt nur POAS zu sinnvollen Gebotsentscheidungen.

Brauche ich ProfitMetrics, um Profit zu tracken?

Nein. Für einen ersten Schritt reicht es, Umsatz mal durchschnittliche Netto-Marge als Conversion-Wert zu übergeben. ProfitMetrics lohnt sich, wenn deine Margen je Produkt stark schwanken und der Durchschnitt zu ungenau wird. Dann zahlt sich die exakte Deckungsbeitrags-Berechnung pro Bestellung aus.

Warum zeigt Google Ads keinen Gewinn an?

Weil Google deine Kostenseite nicht kennt. Einkaufspreise, Versand, Retouren und Gebühren liegen nicht in Google Ads vor. Google kann nur mit dem Conversion-Wert rechnen, den du übergibst. Gibst du Umsatz, optimiert das System auf Umsatz. Gibst du Deckungsbeitrag, optimiert es auf Gewinn.

Deine nächsten Schritte

Rechne als Erstes deinen Break-even-ROAS aus. Diese eine Zahl entscheidet, ob deine aktuellen ROAS-Ziele überhaupt profitabel sein können. Im zweiten Schritt klärst du, ob ein durchschnittlicher Margenwert reicht oder ob deine Produktmargen so unterschiedlich sind, dass du auf POAS umstellen solltest.

Die saubere Bewertung deines ROAS-Setups (Margenrechnung, Werte-Übergabe, POAS-Reife) ist Teil meines Google Ads Audits oder eines Projekt-Setups. Den häufigsten Strukturfehler dahinter beschreibe ich übrigens im Beitrag zu den 5 häufigsten Google-Ads-Fehlern bei KMU.

Mason Werner
Mason Werner

Google Ads Projekt- & Setup-Spezialist. Ehemaliger Mitarbeiter im Namen von Google. Hilft KMU und Arztpraxen im DACH-Raum, profitabel zu werben.

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